Die eigene Stimme im Spiegel der Erinnerung
Ein Memoir ist mehr als eine bloße Lebensgeschichte. Es ist ein literarischer Spiegel, in dem wir nicht nur Ereignisse festhalten, sondern auch unsere Gefühle, Gedanken und die Bedeutung, die wir ihnen im Rückblick geben. Anders als eine Autobiografie, die meist das gesamte Leben chronologisch erzählt, konzentriert sich ein Memoir auf bestimmte Themen, Erfahrungen oder Lebensabschnitte – und macht daraus eine erzählerische Reise.
Warum Memoir im Alter besonders wertvoll ist
- Selbstvergewisserung: Erinnerungen bewusst aufzuschreiben, stärkt das Gefühl für die eigene Identität.
- Weitergabe von Erfahrung: Memoirs sind Brücken zu den nächsten Generationen – sie geben Einblicke in persönliche und historische Zusammenhänge.
- Kreativer Ausdruck: Schreiben im Alter bedeutet nicht nur Rückschau, sondern auch Gestaltung. Ein Memoir erlaubt es, Sprache und Form frei zu wählen.
Erste Schritte
- Wähle ein zentrales Thema: z. B. „Meine Jahre als Tänzerin“, „Die Zeit der politischen Umbrüche“ oder „Wie ich meine Stimme im Schreiben fand“.
- Beginne mit einzelnen Szenen statt mit einem großen Überblick. Eine Erinnerung an einen Geruch, ein Gespräch oder einen Ort kann der Schlüssel sein.
- Erlaube dir Subjektivität: Ein Memoir lebt von deiner Perspektive, nicht von objektiver Vollständigkeit.
Übung: Schließe für einen Moment die Augen und denke an eine kleine Szene aus deinem Leben, die dir sofort in den Sinn kommt. Es muss nichts „Großes“ sein – vielleicht der Geruch von frisch gebackenem Brot in der Küche deiner Kindheit, ein Gespräch auf einer Parkbank, oder der Moment, als du zum ersten Mal allein verreist bist.
Übung:
- Schreibe fünf Minuten lang ohne Unterbrechung: Beschreibe die Szene so konkret wie möglich – Geräusche, Farben, Gefühle.
- Finde den Kern: Frage dich danach: Warum erinnere ich mich gerade an diese Szene? Welche Bedeutung hat sie für mich heute?
- Gestalte daraus einen Anfang: Verwandle die Erinnerung in den ersten Absatz eines Memoirs. Lass die Leserinnen und Leser direkt in die Situation eintauchen.
Beispiel-Einstieg: „Es war ein Sommermorgen, die Fenster standen weit offen, und der Duft von Roggenbrot legte sich wie eine warme Decke über die Küche. Ich wusste damals nicht, dass dieser Geruch mich ein Leben lang begleiten würde.“
Inspiration
„Ein Memoir ist kein Archiv, sondern ein Garten: Wir wählen, was wir pflanzen, und lassen es wachsen.“
Wie findest du die Übung, hat sie dich inspiriert? Ist dir ein erster Absatz gelungen? Schreib mir gerne in die Kommentare!
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